Die Angewohnheit
Das Daumenlutschen gilt bei kleinen Kindern als normal und natürlich. Es erwächst aus einem starken Saugreflex, der für das Kind überlebenswichtig ist. Wenn Babys saugen, um Nahrung aufzunehmen, verspüren Sie angenehme orale Gefühle, die teilweise der Befriedigung durch Essen, Nähe und Zärtlichkeit assoziiert sind. Wird das Kind größer, findet es in den meisten Fällen alternative Mittel, um dieselbe Form von emotionaler Erfüllung zu erlangen.
Manche Kinder versuchen aber das einst notwendige angenehme Saugerlebnis bei der Nahrungsaufnahme (durch Stillen oder Trinken aus der Flasche) fortzusetzen und bilden die Angewohnheit des Daumen- oder Fingerlutschens aus. Diese Angewohnheit kann sich, wenn sie nicht rechtzeitig abgestellt wird, nachteilig auf die körperliche, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes auswirken. Entgegen der Faustregel mancher Kinderzahnärzte, die besagt, dass das Daumenlutschen erst mit dem Durchbrechen der bleibenden Zähne (mit fünf oder sechs Jahren) abgestellt werden muss, empfehlen jüngste wissenschaftliche Studien und Ratgeber eines großen zahnmedizinischen Instituts, dass sich Kinder das Nuckeln schon im Alter von drei bis vier Jahren abgewöhnen sollten."[1] & [3]
Eine weitere neue Studie legt nahe, die Lutschgewohnheit abzustellen, bevor die "Terminalebene" geschädigt wird. Dazu würde es im Alter zwischen drei und vier Jahren kommen.
Heftiges Daumenlutschen kann die Ausbildung der Mundhöhle und die Zahnstellung in Ober- und Unterkiefer schwerwiegend beeinträchtigen. Der Gaumen wird nach oben gedrückt und verengt sich, was zur Ausbildung eines Kreuzbisses führt. Eine Fehlstellung der vorderen Schneidezähne und der Zunge hat oft Sprachfehler zur Folge (bestimmte Laute können nicht ausgesprochen werden). Um dies zu korrigieren sind ziemlich aufwändige kieferorthopädische Behandlungen nötig, die zudem unangenehm und recht kostspielig sind (wenn die Angewohnheit nicht rechtzeitig abgestellt wurde).
Weitere Probleme im Zusammenhang mit dem Daumen- oder Fingerlutschen sind:
erhöhtes Ansteckungsrisiko für Kinderkrankheiten, da ständig ein ungewaschener Daumen in den Mund gesteckt wird
Möglichkeit einer verlangsamten sozialen Entwicklung des Kindes, da Daumenlutscher von ihrem Gegenüber oft als Babys wahrgenommen und in vielen Fällen in einer Gruppe nicht als gleichwertig anerkannt oder sie von Spielkameraden ausgelacht werden. Anstatt Lösungsmöglichkeiten für ein Problem zu suchen, hat das Kind in Konkurrenzsituationen mit anderen Kindern oder in anderen unangenehmen Situationen den Wunsch sich zurückzuziehen und nuckelt zur Stressbewältigung am Daumen.
Dabei darf man nicht vergessen, dass sich viele der oben genannten Probleme, auch Kieferform- und Zahnstellungsprobleme, auf natürliche Weise von selbst lösen, wenn das Daumenlutschen rechtzeitig aufgegeben wird Eine Studie besagt, dass "die natürliche Korrektur von durch Daumen- oder Fingerlutschen verursachter Malokklusion nicht nur den Schweregrad der Malokklusion, sondern auch die Lippen- und Zungenfunktion sowie die Funktion anderer perioraler Muskulatur betrifft."[1]
Quellen:
1. "Damage to the primary dentition resulting from thumb and finger (digit) sucking", Journal of Dentistry for Children. Nov-Dez 1996.
2. "Influence of thumb sucking on peer social acceptance in first-grade children", Pediatrics. April, 1994.
3. American Academy of Cosmetic Dentistry. "Thumbsucking - stop it early." Feb. 1, 1999.
(Erhältlich auf Anfrage)










